Die Freuden und Schattenseiten der Reeperbahn

Jeder kennt die Reeperbahn. Das gilt längst nicht nur in Deutschland, sondern weit über die Ländergrenzen hinaus. Gerne wird die Reeperbahn als die „sündigste Meile von Deutschland“ bezeichnet. Einige gehen sogar so weit, von der „sündigsten Meile der Welt“ zu sprechen. Nur wenige Menschen wissen jedoch, wie sie diesen Spitznamen bekommen hat und was sie von einem Besuch auf der Reeperbahn erwarten dürfen. Es lohnt sich daher ein Blick auf die Sonnenseiten und Freuden, aber auch auf die Schattenseiten und Risiken der berühmt-berüchtigten Straße.

Wo und was ist eigentlich die Reeperbahn?

Obwohl sie fast jedem Menschen ein Begriff ist, so können sich doch viele Menschen nicht genau vorstellen, was die Reeperbahn eigentlich ist. Der Versuch einer Definition lautet daher wie folgt: Die Reeperbahn liegt im Vergnügungsviertel von Hamburg und stellt dort die zentrale Straße dar. Sie ist somit der Dreh- und Angelpunkt der Szene, doch das Rotlichtviertel erstreckt sich noch über weitere Straßen im Hamburger Stadtteil St. Pauli. Insgesamt zählt die Reeperbahn 930 Meter Länge, wo sich Clubs sowie Bars aneinanderreihen.

Sie gehört zu den bekanntesten Sehenswürdigkeiten von Hamburg und jeder – oder zumindest jeder volljährige – Besucher sollte sie einmal mit eigenen Augen gesehen haben. Zu finden ist die Reeperbahn zwischen dem Nobistor und dem Millerntor. Nicht jeder, der zur Reeperbahn kommt, ist also zwangsläufig am Rotlichtmilieu interessiert. Viele einheimische sowie auch internationale Besucher kommen schlichtweg für eine durchfeierte Nacht mit jeder Menge Entertainment. Und doch ist es das Rotlichtmilieu, das ihr den Spitznamen als „sündigste Meile der Welt“ eingebracht hat.

Die Geschichte der Reeperbahn in Kürze

Eigentlich ist die Reeperbahn harmloser als ihr Ruf. Das gilt zumindest heutzutage. Dennoch ist das Rotlichtmilieu von Hamburg in und auf die Straße konzentriert und somit allgegenwärtig. Das war nicht immer so, denn sie wurde ursprünglich durch Seiler sowie Taumacher genutzt, die damals als Reepschläger bezeichnet wurden. Daher der Name. Es wurde also ausreichend Platz benötigt, um Seile mit einer Länge von 400 bis 1.000 Metern zu drillen. Dies erklärt die Länge der heutigen Reeperbahn, die für eine großstädtische Straße doch eher ungewöhnlich ist. Was heutzutage kaum vorstellbar ist, ist, dass diese Reeperbahn damals noch außerhalb der Stadtgrenzen von Hamburg lag, genau genommen in der Vorstadt namens Hamburger Berg, wie St. Pauli damals bezeichnet wurde. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts entstanden dann erste Wohngebäude und in den 1880ern wurden die Querstraßen angelegt.

Bis zu diesem Zeitpunkt mutet die Geschichte der Reeperbahn harmlos an. Das sollte sich aber ändern, als sich in dem Hafenviertel immer mehr Hurenhäuser bildeten. Das war zu damaligen Zeiten nicht untypisch für Hafenviertel und so wurde St. Pauli langsam zum Vergnügungsviertel der Stadt. Zu Beginn des 20. Jahrhunderts waren es noch vor allem die „einfachen“ Leute, die hierher kamen. Höhere Gesellschaftsschichten blieben der Reeperbahn fern. Berühmt-berüchtigt wurde sie trotzdem erst in den 1970ern. Zu jener Zeit hielten nämlich die Drogen Einzug in das Hamburger Vergnügungsviertel, vor allem Koks. Immer mehr Leute aus verschiedenen gesellschaftlichen und Altersschichten kamen für immer wildere Partys auf die Reeperbahn. Auch das Glücksspiel florierte zu jener Zeit, ganz zu schweigen von der Prostitution. Die Grenzen zwischen legal und illegal verschwammen zunehmend – die Reeperbahn erlangte den Ruf als „sündigste Meile der Welt“.

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HAMBURG, GERMANY – JULY 24, 2018 : red-light district brothels and strip clubs at the Reeperbahn in Hamburg, Germany

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Wie „sündig“ ist die Reeperbahn heutzutage wirklich?

Seit den 1970ern ist viel passiert und die Reeperbahn hat immer wieder für negative Schlagzeilen gesorgt. Vor allem Schüsse auf offener Straße und Rockerkämpfe prägten ihre Geschichte gegen Ende des 20. Jahrhunderts. Und obwohl sie noch einen wilden Ruf genießt, weil hier vieles in rechtlichen Grauzonen passiert, ist es auf der Reeperbahn ruhiger geworden – zumindest im Vergleich zu den wildern 70ern. Mittlerweile gibt es überall Überwachungskameras, es gibt die Soko „Rocker“ der Polizei und viele Häuser wurden saniert. Sie präsentieren sich jetzt beinahe luxuriös. Im Jahr 2007 wurde das Mitführen von Waffen jeder Art in St. Pauli verboten sowie streng kontrolliert. Zwei Jahre später folgte das Glasflaschenverbotsgesetz und 2011 wurde ein Antrag gestellt, den Bereich um die Reeperbahn zum „Business Improvement District“ zu machen.

All das diente dem Zweck, die 30 Millionen Besucher aus aller Welt, die jedes Jahr nach St. Pauli kommen, nicht zu verschrecken. Die Reeperbahn wirft schließlich unglaublich viel Geld ab – für die Betreiber entsprechender Clubs, Bars & Co, aber auch für die Stadt Hamburg. Ist die Reeperban also wirklich am Ende, wie Udo Lindenberg im Jahr 1978 sang? Nein, lautet die klare Antwort, aber sie hat sich verändert. Selbst in den verruchtesten Läden gibt es plötzlich Hausregeln und eine ordentliche Buchführung. Statt Bandenkriegen gibt es Interessengemeinschaften. Und immer häufiger wird die „sündigste Meile der Welt“ einfach als „Kiez“ bezeichnet. Ja, die Reeperbahn und St. Pauli im Gesamten befinden sich in einem Wandel. Sie werden touristenfreundlicher, aber so mancher findet sie dadurch auch weniger spannend. Die Frage, was man mittlerweile noch von der Reeperbahn erwarten darf, ist deshalb durchaus berechtigt.

Was bietet die Reeperbahn heutzutage?

Wer nachzählt, kommt in St. Pauli derzeit auf rund 500 verschiedene Bars, 200 Imbissbuden, 60 Kioske sowie zahlreiche weitere Theater, Museen, Livebühnen, Spielhallen und sogar ein Wachsfigurenkabinett. Die Vergnügung steht also im Vordergrund und sogar kulturelle Highlights warten im „Kiez“. Trotzdem ist die Reeperbahn auch nach wie vor das Zentrum des Rotlichtmilieus, weshalb es eben auch etwa 50 Bordelle sowie verschiedenste Striplokale, Sexshops und Sadomaso-Keller gibt. Es handelt sich also nach wie vor nicht um eine Anlaufstelle für einen Familienausflug. Um seine Sicherheit muss auf der Reeperbahn aber niemand mehr Bangen.

Die größte Sorge der Polizisten sind nunmehr die betrunkenen Touristen. Die Reeperbahn ist heutzutage also ein Ort von Entertainment und weitestgehend harmlosem Vergnügen, wo sich jede volljährige Person unter Einhaltung gewisser Verhaltensregeln sicher bewegen kann. Langeweile kommt hier garantiert nicht so schnell auf. Es lassen sich internationale Kontakte knüpfen und unvergessliche Erinnerungen kreieren. Sündiger als andere Rotlichtviertel ist die Reeperbahn kaum noch. Vielleicht hat sie sich auch deshalb mittlerweile eher den Spitznamen „Kiez“ verdient.

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Wo im „Kiez“ immer noch Vorsicht geboten ist

Leichtsinnig sollte trotzdem niemand auf der Reeperbahn unterwegs sein. Zwar ist das Risiko, von offenen Schüssen auf der Straße getroffen zu werden, verschwindend gering. Es lauern aber andere Schattenseiten, die Besucher kennen und beachten sollten. Da wäre einerseits das Glücksspiel, das hierzulande nicht in allen Formen legal ist. Zudem gibt es natürlich stets das Risiko, in den Spielhallen von St. Pauli viel Geld zu verlieren. Anstatt sich auf den Aberglauben zu verlassen, wie das viele Menschen machen, ist eine vernünftige Herangehensweise mit einer fixen Obergrenze wichtig, um die Verluste zu deckeln – und zwar in einem Rahmen, der in der eigenen finanziellen Situation zu verkraften ist. Dann lässt sich das Glücksspiel auf der Reeperbahn unbeschwert genießen.

Dasselbe gilt für Angebote aus dem Rotlichtmilieu: Hierbei ist es wichtig, auf seriöse Angebote zurückzugreifen und sich strikt an die Hausregeln zu halten. Ansonsten drohen Konflikte mit den Betreibern oder sogar mit der Polizei. Eine weitere wichtige Verhaltensregel ist jene, die eigenen Wertsachen dicht am Körper zu tragen und nur das Notwendigste mitzunehmen. Menschenmassen wie jene im „Kiez“ sind für Taschendiebe schließlich eine willkommene Beute. Und zuletzt gilt es, auch auf der „sündigsten Meile der Welt“ verantwortungsvoll mit Alkohol umzugehen. Wer sich außerdem von anderen Betrunkenen fernhält, um Konflikten aus dem Weg zu gehen, der kann auf der Reeperbahn eine unbeschwerte Zeit mit positiver Stimmung und unendlichen Möglichkeiten genießen. Ein Besuch lohnt sich also auch heute noch – garantiert!

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